Hexen-Krimis
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Wissen · Harz-Geschichte

Echte Hexenprozesse im Harz – Fakt vs. Fiktion

Wo endet die Legende, wo beginnt die dokumentierte Geschichte? Eine ehrliche Spurensuche.

Der Harz gilt als das Hexenland Deutschlands – Brocken, Walpurgisnacht, Hexentanzplatz. Doch das meiste davon ist Literatur und Tourismus. Die echte Geschichte ist weniger magisch und weit grausamer. Wir trennen sauber: Was ist belegt, was Legende, was Mythos?

Die harte Wahrheit: reale Hexenprozesse im Harz

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden auch im Harz Menschen als „Hexen“ verfolgt, gefoltert und hingerichtet – fast ausschließlich Frauen. Für das heutige Sachsen-Anhalt sind über 150 Prozesse nachgewiesen; der Schwerpunkt lag etwa zwischen 1540 und 1660. Die Region war dabei kein Zentrum der Verfolgung – betroffen war sie aber sehr wohl. (Alle Zahlen sind Forschungsschätzungen aus erhaltenen Gerichtsakten.)

OrtZeitraumBelegte Fakten
Quedlinburg1569–1663ca. 60 Prozesse, mind. ~40 Tote; u. a. Magdalena Hermes (1570)
Grafschaft Wernigerode1521–1665mind. ~50 Getötete; Katharina Bernburg († 6.6.1597), Mette Fliß aus Drübeck († 17.7.1583); letzte öffentliche Verbrennung 1609
Derenburg1555 · 1655/56Okt. 1555 drei Frauen (per Flugblatt belegt); 1655/56 Ursel Hufnerin
Halberstadt & Umland1577–1598mehrere Prozesse; Gröningen 1590 ca. 9–11 Angeklagte
Goslarab ~1530/1535rund 28 Todesopfer im 16./17. Jh. (an Primärquelle zu prüfen)
Nordhausen1559–164427 Personen verwickelt, davon 8 hingerichtet
Grafschaft Stolberg1544 · 1656 · 1657 · 1664mehrere Einzelprozesse, mind. ~7 Hinrichtungen

Hinter den Zahlen stehen echte Namen und Schicksale: Katharina Bernburg, geboren um 1550 in Rohrsheim, wurde am 6. Juni 1597 in der Grafschaft Wernigerode verbrannt; Mette Fliß aus Drübeck 1583. Das ist keine Fiktion – das sind reale Justizmorde.

Mythos-Check: Was NICHT stimmt

  • „9 Millionen verbrannte Hexen“ – widerlegt. Diese Zahl stammt ausgerechnet aus dem Harz: vom Quedlinburger Stadtsyndikus Gottfried Christian Voigt (18. Jh.), der aus wenigen lokalen Fällen auf ganz Europa hochrechnete. Die heutige, archivgestützte Forschung geht von rund 40.000–60.000 Hingerichteten in ganz Europa aus.
  • „133 Hexen an einem Tag 1589 in Quedlinburg“ – falsch. Die Zahl entstand aus einer Rechenoperation, nicht aus einer realen Massenhinrichtung.
  • „Der Brocken war ein uralter heidnischer Opferberg“ – nicht bestätigt. Neuere archäologische Untersuchungen widersprechen der Kultberg-These. Der Ruf als Hexenberg ist ein Phänomen der frühen Neuzeit.
  • „Ein Wotan-Fest seit über 1.000 Jahren“ – unbelegt. Ein populäres Tourismus-Narrativ; schriftliche Belege für vorchristliche Ursprünge fehlen.

Wie der Hexenberg entstand: Brocken, Walpurgisnacht & Goethe

Der Brocken (1.141 m) wird zwar schon um 1300 als Ort einer „Geisterfahrt“ erwähnt, doch als Hexenberg gilt er erst ab dem 16./17. Jahrhundert – populär gemacht durch Johannes Praetorius’ „Blockes-Berges Verrichtung“ (1668) und weltbekannt durch die Walpurgisnacht-Szene in Goethes „Faust“ (1808).

Die Walpurgisnacht (30. April auf 1. Mai) ist nach der heiligen Walburga (ca. 710–779) benannt; ob sie vorchristliche Wurzeln hat, ist unbelegt. Das „Brockengespenst“ – die riesenhafte Schattengestalt im Nebel – ist ein optisches Phänomen (erstmals 1780 beschrieben), kein Spuk. Und der Hexentanzplatz bei Thale trägt zwar echte, über 1.500 Jahre alte Wallreste, seine Deutung als altsächsischer Kultplatz bleibt aber Legende – ebenso wie die Sagen von Watelinde und der Roßtrappe. Heute feiern über 20 Harzorte die Walpurgisnacht (rund 45.000 Besucher im Vorjahr, Region) – als inszeniertes Brauchtum, nicht als ungebrochenes antikes Ritual.

Fakt trifft Fiktion: „Im Schatten der Hexen“

Genau aus dieser Spannung – dokumentierter Horror einerseits, mächtiger Mythos andererseits – lebt die Reihe „Im Schatten der Hexen“ von Kathrin R. Hotowetz. Die Romane sind Fiktion, inspiriert von den realen Schauplätzen und Sagen des Harzes: zwei Zeitebenen (Mittelalter und Gegenwart), die reale Geistmühle als Kulisse, ein Kriminalfall mit Wurzeln im Mittelalter. Der Regionalkrimi nimmt sich die Freiheit der Magie – der historische Schrecken darunter ist echt.

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Quellen

Stand: Juli 2026. Historische Zahlen sind Forschungsschätzungen mit teils erheblicher Spannbreite; Detailangaben (z. B. Goslar) prüfen wir laufend an Primärquellen. Als Legende oder umstritten markierte Punkte sind bewusst als solche gekennzeichnet.